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Was sagt die Schnecke, wenn sie auf dem Rücken einer Schildkröte sitzt?
„Hui, wie schnell!“
Ich habe lange gedacht, das sei ein Witz. Bis ich endlich verstanden habe, dass es sich dabei um die präziseste Beschreibung deutscher Verwaltungsgeschwindigkeit handelt.
Bei mir im schönen Oldenburg quält man sich seit ein paar Monaten durch frisch erfundene Tempo 30 Zonen in die Innenstadt. Das ist in Zeiten der E-Räder nicht sonderlich schnell und ich bin auch nicht sonderlich geduldig. Unter uns: Man fühlt sich sediert oder ist es. Zwanzig Tropfen Baldrian zum Frühstück.
Tempo 30 in unseren Städten ist kein verkehrspolitisches Instrument, sondern ein Akt der Angleichung. Nicht an mich, nein, endlich passt sich die äußere Welt der allgemeinen Logik an. Jahrzehntelang sind wir mit 50 durch Orte gefahren, während Genehmigungen, Verfahren und Entscheidungen in einem Tempo abliefen, das eher statisch als Formel eins war. Dieser Widerspruch war auf Dauer nicht haltbar und kann nicht gewünscht sein. Fahre wie Du denkst, aber besser langsam. Das Tempolimit kommt bei jeder Gefahrenlage, ist gerade beim Fahren und Essen auch ok, aber kein Mittel für alles.
Alles ist immer zu schnell: Hui!
Denn Geschwindigkeit ist bekanntlich relativ. Wer den Maßstab aus dem Bauamt anlegt, für den ist selbst das gemächliche Dahingleiten eines Fahrrads ein kaum beherrschbares Risiko. Entscheidungen brauchen Zeit, Abstimmungen brauchen Zeit, Zuständigkeiten brauchen vor allem eines: noch mehr Zuständigkeiten.
Man muss sich das einmal vorstellen: Draußen bewegt sich ein Auto mit 30 Stundenkilometern durch die Stadt. Aus Sicht eines Verwaltungsverfahrens entspricht das ungefähr einem freien Fall. Ein Zustand, der in keinem Formular vorgesehen ist.
Deshalb ist Tempo 30 nur konsequent. Es beruhigt. Es nimmt Druck aus dem System. Es verhindert, dass die Realität den Entscheidungsprozessen davonfährt.
Perspektivisch wird man weiterdenken müssen. Warum bei 30 stehen bleiben?
Konsequenter wäre es, das Tempo schrittweise an die tatsächliche Bearbeitungsgeschwindigkeit anzupassen. Schrittgeschwindigkeit im Innenstadtbereich wäre ein ehrlicher Anfang. Parkende Autos hätten dann endlich den Vorteil, sich nahtlos in den Verkehrsfluss einzufügen.
Am Ende geht es um Gerechtigkeit. Zwischen draußen und drinnen. Zwischen Bewegung und Bearbeitung. Zwischen dem Wunsch, voranzukommen, und der Fähigkeit, alles gründlich zu prüfen, bis sich das Problem von selbst erledigt hat.
Man stelle sich nur vor, es gäbe eine schlimme Verwechselung und die Entscheidenden nähmen zwei beliebte Zahlen (Rente mit 70 und 130km/h auf Autobahnen) und brächten da etwas durcheinander?! Beschlossen- Feierabend- das passierte am Freitag..
Ab kommenden Montag wird dann Rente mit 130 ausgegeben und 70 km/h Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen beschlossen. Das rettet zumindest schonmal die leeren Kassen und beugt Unfällen noch mehr vor.
Die Schnecke wusste das längst.
Es ist alles eine Frage der Perspektive.




