
Das Wattenmeer, oder Verstorbene ziehen nicht um
5. August 2026|
Getting your Trinity Audio player ready...
|
Wo sind eigentlich die Sparfüchse, wenn man sie braucht?
Als wir unser Projekt „Energieeffizienz in Kulturgebäuden“ (DTHG Energie) gestartet haben, waren wir davon überzeugt, damit offene Türen einzurennen. Schließlich haben die Untersuchungen gezeigt, dass in Theater- und Kulturbetrieben Energieeinsparungen von teilweise bis zu 50 Prozent möglich sind.
Nicht irgendwann. Nicht durch einen Neubau. Und auch nicht dadurch, dass wir das Publikum bitten, künftig mit dem Fahrrad zur Vorstellung zu kommen.
Sondern im bestehenden Gebäude. Mit Ingenieurwissen, einer vernünftigen Analyse der technischen Anlagen und vor allem durch einen besseren Betrieb dessen, was längst vorhanden ist.
Eigentlich eine ziemlich gute Nachricht.
Umso erstaunlicher ist, dass sich bislang nur eine überschaubare Zahl von Häusern auf den Weg gemacht hat, diese Möglichkeiten systematisch zu nutzen.
Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit in unserer Branche zunehmend verwaltet. Es werden Daten erhoben, Tabellen ausgefüllt, Bilanzen erstellt und Konzepte geschrieben. Wir diskutieren über Anreisewege des Publikums, Materialien im Fundus und Kreislaufwirtschaft.
Vieles davon gehört im Theater allerdings seit langer Zeit zum Alltag.
Deshalb sollten wir uns endlich den echten und oftmals versteckten Energieverbrauchern zuwenden: Heizung, Lüftung, Kälte – und vor allem der Frage, wie diese Anlagen tatsächlich betrieben werden.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Rund um Nachhaltigkeit ist inzwischen ein Dschungel aus Initiativen, Beraterprojekten, Zertifikaten und Konzepten entstanden. Dabei wird manches als neu verkauft, was im Theater über Jahrzehnte selbstverständlich war: reparieren statt wegwerfen, weiterverwenden statt neu kaufen, umbauen, einlagern und aus dem Fundus schöpfen. Vieles davon wurde aus wirtschaftlichen Gründen zurückgefahren – und wird heute als neue Erkenntnis präsentiert. Das ist oft unnötig und bindet lediglich Zeit.
Nachhaltigkeit im Theater ist keine Sonderfunktion. Sie gehört zum Handwerk.
Umso wichtiger ist technische Fachexpertise dort, wo die wirklichen Einsparpotenziale liegen. Denn genau dort müssen wir unterscheiden können, was tatsächlich Energie und CO₂ einspart – und was nur gut klingt.
Sonst wird es für Theater immer schwieriger, das Sinnvolle vom Unsinnigen zu trennen.
Genau deshalb machen wir bewusst ein anderes Angebot.
Wir wollen nicht möglichst viel Nachhaltigkeit organisieren. Wir wollen das tun, was nachweislich etwas bringt.
Wir wollen wissen: Wo wird Energie verbraucht? Warum wird sie dort verbraucht? Was können wir technisch und betrieblich verändern? Was kostet es? Und vor allem: Was sparen wir tatsächlich ein, wenn wir die Konzepte an die Nutzung anpassen?
Genau deshalb halte ich unser Energieeffizienzprojekt für eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsprojekte im Theater- und Kulturbereich. Es verbindet ökologische Ziele mit Ingenieurwissen, Betriebserfahrung und wirtschaftlichem Nutzen.
Und das Erstaunliche: Vieles davon braucht keine großen Investitionen. Es geht um Betriebsweisen, Einstellungen, Temperaturen, Laufzeiten, Regelungen und das Verständnis dafür, was technische Anlagen tatsächlich tun.
Diese Erkenntnisse sind inzwischen in die internationale Arbeit am Theatre Green Book eingeflossen. Dort besteht großes Interesse an den Erfahrungen aus Deutschland.
Das freut mich sehr.
Ein wenig kurios ist allerdings, dass international teilweise engagierter mit den Ergebnissen gearbeitet wird als in manchen Häusern, in denen diese Untersuchungen entstanden sind.
Gerade Deutschland mit seiner Dichte öffentlich getragener Theater, Opernhäuser und Gastspielhäuser müsste hier eigentlich vorne stehen.
Deshalb noch einmal als freundlicher Reminder:
Nachhaltiges Arbeiten braucht vielleicht auch Tabellen. Aber Tabellen sparen keine Energie.
Dafür braucht es Menschen, die Anlagen verstehen, Verbräuche hinterfragen und etwas verändern.
Der Leitfaden liegt vor.
Die Erfahrungen liegen vor.
Die Einsparpotenziale sind bekannt.
Vielleicht sollten wir einfach anfangen.
P.S.: Und weil der Einstieg so einfach wie möglich sein soll:
Mit dem SaveEnergyTool™ gibt es inzwischen eine App zu unserem Energieeffizienzprojekt. Sie ist im Apple App Store verfügbar und ermöglicht einen unkomplizierten Einstieg in die energetische Betrachtung des eigenen Hauses.
Also: nicht noch eine Tabelle ausfüllen – einfach mal anfangen.
👉 SaveEnergyTool™ im Apple App Store




