
Ein Rückblick auf die BTT26, Messe und Rahmenprogramm – aus der BTR 3/26
5. August 2026|
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Das Verstorbene zuziehen, kenn ich nur von dem Mann, dem wir den Vatertag in all seiner Freude zu verdanken haben.
Bevor also Verstorbene auf deutschen Formularen noch steuerpflichtige Sterbschaftssteuer entrichten müssen, und ich im Sommer ja nicht schon wieder über die Bürokratie herfallen möchte sowie den Mangel an Kenntnis der deutschen Sprache von Formularienschreibern- da suche ich mir lieber mal ein Urlaubsthema aus. Und falls jemand fragt oder erklären möchte: Nein! Verstorbene ziehen nicht zu..wenn, dann lebten sie noch..
Man fährt voller Vorfreude an die Nordsee, packt Badehose, Sonnenschirm und Strandmuschel ein, freut sich auf das Meer – und findet… keins. Stattdessen blickt man auf kilometerweite Matschepampe. Wattwürmer, Schlick, kleine Rinnsale und ein Duft, der den Fäulnisbakterien offenbar als Wellnessprogramm dient. Die haben nämlich bis heute nicht verstanden, dass wir Menschen eigentlich zur Erholung hierherkommen. Und: Wir wollen Meer!
Es gibt Orte auf der Welt, bei denen man sofort versteht, warum sie zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Die Victoriafälle. Das Great Barrier Reef. Die Galápagosinseln. Und dann gibt es das Wattenmeer. “Moment mal, wir hätten da auch was.” Und der Rest der Welt antwortete offenbar: “Ach ja? Watt denn?” – “Nun ja…Watt .”
Genauer gesagt: eine gigantische, braune, nach Modder riechende Fläche, auf der zweimal am Tag das Meer verschwindet und den Blick auf eine Landschaft freigibt, deren Charme irgendwo zwischen Baugrube und Klärschlammbecken liegt. Wenn man mit Kindern da ist, immer um 7 Uhr morgens und abends..Man sieht es praktisch nie, das Wasser!
Willkommen im Weltnaturerbe Wattenmeer.
Besonders beeindruckend ist der Stolz, mit dem einem das alles erklärt wird. “Schauen Sie mal, dort unten lebt ein Wattwurm.” Dafür bin ich also 400 Kilometer gefahren. (Nee, für mich sind es nur 20, aber ich spreche für einen Kollegen aus NRW). Der NRWler ist hier häufig, muss wohl bei den Kumpels beliebt gewesen sein- und die stinkige Luft ist gut und salzig.
Ich frage mich bis heute, wie das damals abgelaufen ist. “Deutschland, möchten Sie irgendwas denn als Weltnaturerbe anmelden?” – “Also, wir hätten da eine riesige Fläche braunen Schlicks. So stinkige Matschepampe, wissen Sie” – “ Was ist daran besonders?” – “Nun ja, zweimal täglich ist Wasser da.” – “Und wenn das Wasser weg ist?” – “Dann stinkt es nach Verstorbenen.” – “Ausgezeichnet! Her damit!”
Oder jemand, der im Wasser lebt und schwer zu verstehen ist, hat den Antrag gestellt: eine Nuschel! (Alter Witz aus der Gegend)
Dabei wäre die Lösung doch so einfach gewesen. Statt kilometerlanger Modderflächen hätte man dort wunderschöne Meerwasserbecken mit türkisfarbenem Wasser hineinbetonieren können. Ein paar Palmen rechts und links, Stege, vielleicht ein Infinity-Pool bis zum Horizont – ein Ort, an dem man tatsächlich baden möchte. Aber nein. Man entscheidet sich für das Pädagogische. Wir wollen lernen. Zum Beispiel: wie ein Wattwurm lebt und Modder stinkt.
Natürlich wird jetzt jeder Naturschützer erklären, wie unglaublich wichtig dieses Ökosystem ist. Sicher stimmt das ja auch, mir ist es aber egal. Ich will blaue Lagunen und durchsichtiges Wasser! Bis zum Grund, auch wenn der tiefer als 30cm ist.
(Millionen Zugvögel finden hier Nahrung, unzählige Tierarten leben im Watt, und ökologisch ist das alles von enormer Bedeutung.) Mir aber immer noch egal. Das macht den Widerspruch so herrlich: Etwas kann ökologisch unbezahlbar sein und gleichzeitig als Urlaubsziel ungefähr so viel mediterranes Flair ausstrahlen wie ein frisch ausgehobener Braunkohle-Tagebau.
Versöhnt wird man am Ende eigentlich nur durch das, was im Mittelteil aus diesem Modder hervorgeht. Ein frisches Krabbenbrötchen. Eine Scholle mit Bratkartoffeln, und als Bonus ein kühles Blondes aus der Geburtsstadt Katharinas, der Großen. Dann denkt man: Na gut, irgendwo müssen die Krabben ja wohnen. Vielleicht hat der ganze Schlamm als Futtergrube doch einen Sinn.
Aber bis dahin stehe ich am Deich, schaue auf diese endlose braune Pampe und frage mich, ob wir wirklich das einzige Volk der Welt sind, das auf die Idee kommt, einen Matschhaufen zum Weltnaturerbe zu erklären – und dann auch noch stolz darauf ist. Das muss diese berühmte norddeutsche Schnoddrigkeit sein. Oder einfach nur sehr viel Bier und Köm im Kopp.
WESKO ROHDE
Vorstandsvorsitzender
DTHG e.V.




