
Regionalgruppentagung West: Tag des Bühnenwagens in der Deutschen Oper am Rhein
19. Mai 2026|
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10 Jahre multisenses – das ist ein schöner Anlass, um nicht nur zu feiern, sondern auch einmal zurückzublicken: auf die Anfänge, auf die Entwicklung des Unternehmens und auf das, was multisenses heute ausmacht. Ich freue mich sehr, dieses Gespräch heute begleiten zu dürfen, denn ich kenne die Firma inzwischen auch schon seit einigen Jahren und habe ihren Weg in dieser Zeit mitverfolgt.
Was multisenses auszeichnet, ist für mich die Verbindung aus Kreativität, technischer Kompetenz und echter Leidenschaft für gute Lösungen – gerade auch in der Arbeit mit Theatern und Veranstaltungsstätten, wo es auf so vieles gleichzeitig ankommt: Funktion, Atmosphäre, Präzision und Verständnis für den Raum.
Umso spannender ist es, heute mit Christoph Grauting auf zehn Jahre multisenses zu schauen und mehr darüber zu erfahren, wie alles begonnen hat, was das Unternehmen geprägt hat und wohin die Reise weitergeht.
Und jetzt freue ich mich auf das Interview.
Sanela Kolb: Wenn du auf die Anfänge von multisenses zurückblickst: Mit welcher Idee bist du vor zehn Jahren gestartet?
Christoph Grauting: Ganz ehrlich: Am Anfang hatte ich keinen großen Masterplan. Die Elektrotechnik hat mich schon seit meiner Kindheit interessiert und als Jugendlicher habe ich damit angefangen, SPS zu programmieren. Später kam dann die Leidenschaft für die Veranstaltungstechnik und die Theaterwelt dazu. Dabei war die ursprüngliche Idee hinter multisenses vergleichsweise zweckmäßig: Wir haben mit Festinstallationen Geld verdient, um davon Veranstaltungstechnik zu kaufen, die wir im Fullservice und in der Vermietung dann wieder eingesetzt haben.
SK: multisenses arbeitet viel mit Theatern und Veranstaltungsstätten zusammen – was fasziniert dich persönlich an dieser Branche bis heute am meisten?
CG: Es ist die besondere Mischung aus Atmosphäre und Präzision. Ein Theaterraum macht etwas mit den Menschen und man spürt einfach sofort, ob etwas funktioniert oder nicht. Genau das fasziniert mich an der Branche.
Gleichzeitig ist der technische Aspekt extrem anspruchsvoll. Alles spielt sich live ab und es gibt keine zweite Chance – trotzdem muss das Gesamtbild eine Leichtigkeit transportieren, die Zuschauer anzieht. Genau dieser Gegensatz reizt mich an unserer Arbeit. Auf der einen Seite Emotionen und Wirkung, auf der anderen Seite Technik, die bis ins kleinste Detail schlicht funktionieren muss.
SK: Theater sind ja ganz besondere Orte, an denen Technik oft im Hintergrund bleiben muss und trotzdem entscheidend ist – was ist dir bei solchen Projekten besonders wichtig?
CG: Mir ist wichtig, dass das Gesamtsystem zuverlässig betrieben werden kann und die bedienenden Menschen durch Praxistauglichkeit unterstützt werden.
Im Theaterbetrieb sieht man am Ende ja lediglich das Ergebnis. Dahinter stehen Licht, Steuerung, Ton, Video und die gesamte technische Infrastruktur. Wenn diese Gewerke nicht sauber und zuverlässig zusammenspielen, fällt das sofort auf. Deshalb betrachten wir Projekte immer ganzheitlich und beziehen gedanklich alle Gewerke mit ein. Parallel dazu liegt unser Fokus auf den Bedürfnissen der Nutzer und der Wirkung auf das Publikum.
Auch wenn das in komplexen Projektkonstellationen nicht immer einfach ist, ist genau dieser umfassende Blick extrem wichtig für das Ergebnis. Denn die Technik soll im Hintergrund bleiben und genau dann wie gewünscht funktionieren, wenn sie gebraucht wird.
SK: multisenses verbindet Licht, Medien, Steuerung und Elektrotechnik – war dieser ganzheitliche Ansatz von Anfang an Teil deiner Vision oder hat er sich erst mit der Zeit entwickelt?
CG: Dieser Ansatz hat sich über mehrere Jahre entwickelt. Es waren weniger einzelne Entscheidungen, sondern mehr verschiedene Momente, die dazu geführt haben. Wenn du so möchtest, ist unser Best-Practice-Ansatz aus der Erfahrung heraus entstanden. Ein wichtiger Faktor dabei war auch die Corona-Zeit, in der Veranstaltungen komplett weggebrochen sind. Das hat den Druck auf uns erhöht, uns stärker zu fokussieren, das Unternehmen neu auszurichten und die eigene Rolle klarer zu definieren.
Heute gehen wir Projekte bewusst anders an, berücksichtigen alle Gewerke und übernehmen die Verantwortung für das Zusammenspiel im Gesamtbetrieb.
SK: Wenn du an die Zusammenarbeit mit Theatern denkst: Was unterscheidet diese Projekte von anderen Kunden oder Gebäudetypen?
CG: Der größte Unterschied liegt in der Perspektive. Im Theater geht es nicht nur um Funktion, sondern immer auch um Wirkung. Man spricht viel stärker über Atmosphäre, Wahrnehmung und das Erlebnis für den Besucher.
Ein gutes Bild dafür ist das Theaterportal. Auf der einen Seite sitzt das Publikum und erlebt die Vorstellung, auf der anderen Seite steht ein großes Team aus Kunst und Technik, das dafür sorgt, dass exakt in diesem Moment alles passt.
Diese Kombination aus künstlerischem Anspruch und technischer Präzision unterscheidet Theaterprojekte deutlich von anderen Gebäudetypen.
SK: Ihr bewegt euch zwischen technischer Präzision, Gestaltung und Funktion – wie gelingt es dir und deinem Team, diese Balance immer wieder neu zu finden?
CG: Am Ende ist es eine Kombination aus Erfahrung, Teamarbeit und dem richtigen Netzwerk. Wir haben unterschiedliche Kompetenzen im Team und bringen diese früh zusammen, damit sie sich ergänzen. Dadurch werden technische Anforderungen, gestalterische Aspekte und der spätere Betrieb von Anfang an zusammenhängend berücksichtigt. Da auch wir nicht jede Disziplin bis ins letzte Detail selbst abdecken, haben wir im Laufe der Jahre ein belastbares Netzwerk aufgebaut, das wir gezielt einbinden, wenn es sinnvoll ist.
Und am Ende muss man ehrlich sagen: Solche Projekte sind immer ein Kompromiss. Zeit, Budget und Prioritäten spielen, neben den Wünschen und Anforderungen des Kunden, eine große Rolle. Unsere Aufgabe ist es dann, daraus eine Lösung zu entwickeln, die technisch und kaufmännisch das mögliche Optimum abdeckt.
SK: Gerade im Theater spielt Atmosphäre eine riesige Rolle – was macht gutes Licht für dich aus, wenn es nicht nur funktional, sondern auch emotional wirken soll?
CG: Für mich fängt es bei der Funktion an. Wenn Licht blendet, flackert oder sich nicht sauber dimmen lässt, ist jede Atmosphäre sofort gestört. Kurz: die technische Qualität ist die Grundlage.
Darauf aufbauend geht es für mich um die Wirkung. In einem Theater betrachten wir nicht nur den Saal, sondern die gesamte Raumhülle. Die Atmosphäre beginnt nämlich oft schon vor dem Gebäude, setzt sich im Foyer fort und begleitet den Besucher bis auf den Sitzplatz und wieder hinaus.
Die Beleuchtung spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie diese Übergänge begleitet und Räume miteinander verbindet. Gutes Licht unterstützt das, was im Raum passiert, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen – es setzt Kontraste, strukturiert den Raum und macht ihn erlebbar.
Des Weiteren darf man nicht vergessen: Auch wenn die Theaterkunst in ihrem Ursprung eine reine Live-Erfahrung ist, leben wir im 21. Jahrhundert – jeder Moment und jedes Erlebnis wird digital festgehalten. Umso wichtiger ist es, unabhängig davon, ob es eine Premierenfeier mit Kamerateams oder das Selfie vor der Vorstellung oder an der Bar ist: Jeder Moment verdient es, eingefangen zu werden – mit flackerfreiem Licht und einer Atmosphäre, die durch die Aufnahme spürbar ist. Das richtige Licht ist für mich sowohl eine Marketingmaßnahme für die Spielstätte als auch am Ende das, was die Besucher mit nach Hause nehmen und mit ihrer Community teilen.
SK: Nach zehn Jahren Unternehmensgeschichte: Gibt es ein Projekt oder einen Moment, der für dich besonders sinnbildlich für multisenses steht?
CG: Die Philharmonie Köln. Das Projekt steht für viele Themen, die uns ausmachen. Es ist technisch anspruchsvoll, hat viele Schnittstellen und stellt hohe Anforderungen an die Planung und Umsetzung. Gleichzeitig zeigt es gut, wie wichtig die Zusammenarbeit mit starken Partnern ist. Denn der Erfolg solcher Projekte entsteht nur im Team und in guter Zusammenarbeit mit den vielen Beteiligten. Auch wenn das Projekt aktuell noch läuft, ist es für mich ein gutes Beispiel dafür, wie wir arbeiten und wofür multisenses heute steht.
SK: Mit multilum habt ihr auch eine eigene Leuchtenmarke entwickelt – wie kam es zu dem Punkt, an dem du gesagt hast: Wir wollen unser Know-how nicht nur planen und integrieren, sondern auch in eigene Produkte übersetzen?
CG: Der Schritt hat sich aus der Praxis heraus ergeben. Wir sind in unseren Projekten immer wieder an Grenzen gestoßen, weil am Markt vorhandene Standardprodukte nicht exakt zu den Anforderungen gepasst haben. Oft mussten wir Kompromisse eingehen – gerade bei Themen wie Integration, Dimmverhalten oder Geometrie.
Als logische Konsequenz haben wir angefangen, eigene Lösungen zu entwickeln. Unser multilum ist im Kern eine Plattform, die sich an Projekte anpassen lässt und uns die Möglichkeit gibt, gezielter auf die individuellen Anforderungen einzugehen.
Wichtig ist aber zu sagen, dass multilum eine Ergänzung ist. Wir setzen weiterhin auch auf andere Hersteller, wenn es für das Projekt die bessere Lösung ist.
SK: Wenn du heute auf multisenses schaust: Wo siehst du das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren, gerade auch im Zusammenspiel mit Kulturorten wie Theatern?
CG: Ich sehe uns als DEN Ansprechpartner für Theater und Kulturbauten – und wünsche mir, dass man uns kennt und gezielt dazu holt, wenn es funktionieren muss. Ein weiterer Wunsch ist, weiterhin gemeinsam mit starken Marken und Partnern arbeiten zu können, die den gleichen klaren Anspruch für sich definiert haben, Lösungen zu liefern, die im Alltag verlässlich laufen und den Kundenwünschen an Design und Funktion gerecht werden.
Vielen Dank, lieber Christoph, für das Interview, für die Einblicke in zehn Jahre multisenses und für den Blick hinter die Kulissen eines Unternehmens, das Technik, Gestaltung und Praxis auf besondere Weise verbindet.
Und an alle, die jetzt Lust bekommen haben, multisenses auch persönlich zu erleben: Die nächste Gelegenheit gibt es auf der Bühnentechnischen Tagung in Rostock am 17. und 18. Juni 2026. Dort könnt ihr das Team von multisenses direkt treffen – am Stand B18. Die Tagung bringt die Branche in der HanseMesse Rostock zusammen und ist einer der wichtigsten Treffpunkte für Austausch, Innovationen und neue Impulse in der Theater- und Bühnentechnik.










