
Die Kapitulation vor dem eigenen System
25. September 2026So etwas macht man nicht einfach zu – Das Bonner Schauspiel steht zu Disposition
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Vier Uraufführungen von Elfriede Jelinek. Frühe Stücke von Rainald Goetz. Sieben Einladungen zum Berliner Theatertreffen. Johanna Wokaleks „Rose Bernd“, ausgezeichnet mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis. Die Bonner Biennale als internationaler Treffpunkt neuer Dramatik. Das Bonner Schauspiel hat im Nachkriegsdeutschland Theatergeschichte geschrieben. Es war und ist bedeutend und geachtet.
Sowas macht man nicht einfach zu.
Am 28. September verlängert der Rat den Vertrag von Generalintendant Bernhard Helmich bis 2030. Der Oberbürgermeister lobt daraufhin öffentlich Stabilität und Verlässlichkeit. Vier Tage später beschließt der Verwaltungsvorstand, die Aufgabe des Schauspiels prüfen zu lassen.
Für mich zeigt sich darin eine völlig überforderte Verwaltung, die nur noch verwaltet und Löcher stopft. Seit Jahren diskutiert sie Sanierung, Neubau und Verlagerung. Jetzt soll eine ganze Sparte verschwinden. Bevor sie eine gewachsene Kulturinstitution aufgibt, muss sie bei sich selbst anfangen: Abläufe vereinfachen, Doppelstrukturen abbauen und endlich bezahlbare Lösungen auf den Weg bringen.
Über Standorte kann man reden. Aus meiner Sicht ist Bad Godesberg für viele Besucher praktisch nur noch mit dem Auto sinnvoll erreichbar. Wer nach der Arbeit eine Stunde hinfahren und nach der Vorstellung wieder zurückkommen muss, überlegt sich den Besuch zweimal. Wer Besucherzahlen bewertet, muss auch die Bedingungen betrachten. Bad Godesberg ist auch keine schöne Seite der Stadt mehr. Hier hat die Stadtplanung komplett versagt, nachdem die Politik verschwunden war.
Man entwickelt aber auch noch andere krude Ideen, natürlich ohne die Theaterleute einzubeziehen. Man sprach lieber über sie als mit ihnen. Eine Oper neben den Werkstätten wertet sicher nicht ein Quartier auf. Ob sie damit selbst gewinnt, ist also mehr als fraglich. Die Oper steht am Rhein, mehr geht nicht. Lage, Lage, Lage. Hausaufgaben nicht gemacht.
Natürlich brauchen wir gute Schulen und Kindergärten. Aber werden sie besser, wenn das Schauspiel verschwindet? Bonn kürzt gleichzeitig beim Nahverkehr und setzt die vollständige Übernahme des Kita-Trägeranteils vorerst aus. Es wird überall zurückgebaut. Hoffentlich auch in der Verwaltung?
Was wollen wir mit dem Gemeinwohl noch machen? Politik und Verwaltung müssen eine Zukunft für diese Stadt gestalten. Ein bedeutendes Schauspiel abzuschaffen, weil die Aufgabe schwierig geworden ist, ist ein weiteres Eingeständnis des Scheiterns.




